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Die Brüste der Prinzessin

Einen Moment lang stand Garvin wie gebannt da und starrte die Prinzessin an. Sie war nur eine Handbreit kleiner als er. Ihr Lächeln bescherte ihm weiche Knie und ihr Duft brachte ihn fast um den Verstand. Blonde Locken rahmten ihr ebenmäßiges Gesicht ein. Ihre mandelförmigen Augen schienen seine Seele aufzusaugen. Sie hatte eine schmale Nase und die hellste Haut, die Garvin je gesehen hatte.

Dann fiel ihm ein, dass man eine Prinzessin nicht einfach so anstarrte und er ließ seinen Blick sinken. Was seine Lage keineswegs verbesserte, denn nun ruhte sein Blick direkt auf dem Ausschnitt ihres Kleides, das alles andere als brav geschnitten war. Die Form ihrer apfelgroßen Brüste zeichnete sich so deutlich ab, dass er ein fast schmerzhaftes Ziehen in der Lendengegend verspürte. Hastig wich er zwei Schritte zurück, besann sich seiner Manieren und verbeugte sich tief.
»Garvin Ederholz, zu Euren Diensten, Majestät«, stieß er kurzatmig hervor. Er richtete sich wieder auf und blickte in ihr Gesicht. Ein amüsiertes Lächeln umspielte ihre roten Lippen. »Wir sollten hier verschwinden«, sagte er und wandte sich zum Gehen, ohne jedoch seinen Blick von ihr abzuwenden. »In diesem Gemäuer seid Ihr nicht sicher.«

»Ich will nicht fliehen«, erwiderte sie stolz. »Wir müssen uns der Gefahr stellen und meinen Widersachern zuvor …, oh, passt auf!«

Garvin war noch einen Schritt zurückgegangen und dabei mit dem Fuß an etwas hängen geblieben. Er schwankte. Seine Hände suchten vergeblich Halt. Dann fiel er mit einem Fluch zu Boden. Leicht benommen kam er wieder auf die Knie. Er versuchte zu erkennen, über was er gestolpert war. Er tastete nach dem Ding, was zwischen einem alten Schrank und ein paar halb zerfallenen Kisten hervorragte. Es war ein Bein. Garvin richtete sich auf und griff nach der Laterne, die dem Raum seine äußerst spärlich Beleuchtung schenkte.

»Lasst uns gehen«, wisperte die Prinzessin. »Bitte, ich will weg von hier.«

»Sofort«, erwiderte Garvin und leuchtete mit der Laterne zwischen den Schrank und die Kisten. »Sobald ich weiß, was hier los ist«. Er beugte sich vor, um besser sehen zu können.

Leseprobe aus „Die dritte Prinzessin

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Sie tanzt

Blut auf den Händen; Blut auf der Seele; Blut, das ihren Bund besiegelt, das sie untrennbar macht. Ein Opfer für die Liebe.

Mondlicht scheint durch die Äste der alten Eiche auf ihre nackte Haut. Der Schweiß ist noch nicht getrocknet und glänzt im fahlen Licht. Isabelle hat sich erhoben, die Arme eng um ihren Körper geschlungen; eng, wie die des Geliebten es hätten tun sollen. Sanft wiegt sie sich hin und her, bewegt sich im Kreis. Sie tanzt, dreht sich lautlos. Ein Zweig hat sich in ihren kastanienbraunen Haaren verfangen.

Sie spürt das Moosbett unter ihren Füßen, auf dem sie sich so oft geliebt haben. Die Kerzen, aufgestellt, um den Ort ihrer Leidenschaft sanft zu erhellen, schirmen sie von der Dunkelheit ab. Der vertraute Platz, ihr Stelldichein, umhüllt sie mit einem Mantel der Geborgenheit; verbirgt sie vor der Einsamkeit.

Ein kühler Windhauch lässt sie frösteln. Die feinen Haare auf Isabelles Armen stellen sich auf. Der Herbst ist schon weit fortgeschritten. Die Vorboten des Winters strecken langsam ihre Finger über den Wald aus. In ein paar Tagen werden kaltes Wetter und Regen das Land fest im Griff haben. Nur noch wenige Wochen bis zum Heiligabend.

Doch die Zeit des Versteckspielens ist vorüber. Keine Lügen mehr, um seine Frau zu beruhigen, keine Rücksicht mehr auf deren angeschlagene Gesundheit. Isabelle hat Geduld gezeigt. Oh ja, das hat sie. All die langen Monate seit dem Frühjahr ist sie geduldig gewesen. Doch nun ist das Problem mit Daniels Frau für immer bereinigt. Die unzähligen Stunden, die sie in ihrer Wohnung auf das nächste Stelldichein mit ihrem Geliebten wartete und die Wut, die sie empfand, wenn sie an seine Frau dachte, all das hat unwiderruflich ein Ende gefunden. Und auch die Angst, was passieren würde, wenn diese von ihrem Verhältnis erfahren, wenn Daniel sich nicht auf Isabelles Seite gestellt und er der Bequemlichkeit, der Gewohnheit seiner Ehe nachgegeben hätte, war verflogen.

Der Geruch von totem Laub weht über die Lichtung. Blätter rascheln. Eine Kerze flackert, erhellt im Ersterben die Hand, die bleich im Schatten der moosbewachsenen Steine ruht. Für einen Sekundenbruchteil scheint Leben in die starren Finger zurückzukehren. Dann erlischt die Flamme. Die Hand versinkt in der Dunkelheit; reglos, erkaltend.

Der Gedanke war verführerisch und erregend, Daniels Frau hierher zu locken, auf die Lichtung, die für sie und ihn zum Tempel der Liebe geworden war. Um alles, hier unter der Eiche, zu einem Ende zu führen. Und sie würde ihn lieben, auf dem Altar aus Moos, erbaut über dem verborgenen Grab der Rivalin.

Aber was, wenn Daniel immer weiter nach seiner verschollenen Frau gesucht, wenn ihm ihr Verschwinden keine Ruhe gelassen hätte? Ungewissheit ist ein schleichendes Gift. Doch nun gehört Daniel ihr; seine Frau wird sie nie mehr stören können.

In der Ferne schreit ein Uhu. Isabelle legt den Kopf in den Nacken und breitet ihre Arme aus. Ihre Augen sind geschlossen. Auf ihren Lippen liegt ein Lächeln. Die Blätter und Äste der Eiche zeichnen im Mondlicht Schattenmuster auf ihren weißen Teint.

Sie öffnet die Lider. Ihr Blick schweift über das Moosbett, stockt bei dem langen Seidenschal; Spielzeug ihrer Lust. Er gleitet weiter, verweilt kurz auf der leblosen Gestalt, die zwischen den Wurzeln des mächtigen Baumes ruht, und findet zurück zu jenem Abend im Frühling, an dem alles begann; die Geräusche der Nacht erreichen sie nur noch aus weiter Ferne.

Er sei zu alt für sie, hatte Daniel gesagt, doch seine Augen verrieten ihn. Isabelle hatte gewusst, dass sein Herz anderer Meinung war. Er wäre nicht zur Lichtung gekommen, hätte er sie nicht gewollt, sie nicht begehrt. Sie hatte ihn geküsst und ihm gezeigt, das sie zusammengehörten. Seelen sind alterlos! Waren sie doch füreinander bestimmt, was spielten dann zwei Jahrzehnte für eine Rolle? Sie fanden sich immer wieder, was auch geschah, wohin sie auch getrieben wurden. Und war er nicht für sie zurückgekehrt? Hatte sie ihn nicht unter all den anderen sofort erkannt? Niemand durfte sich zwischen eine solche Liebe stellen; um diese zu schützen, war jedes Mittel recht. Selbst das letzte, das endgültige.
Kühler Wind streicht abermals vom Wald her über Isabelles nackte Haut. Ihre Nippel ziehen sich zusammen. Sie fährt sich mit den Händen über ihre Arme. Die Bewegung stockt. Isabelle hält inne. Im fahlen Schein betrachtet sie ihre Hände, betrachtet das Blut. Sie lächelt.

Warum hatte Daniels Frau sich gegen sie gestellt? Konnte sie nicht erkennen, dass sie ihn verloren, ja, ihn nie wahrhaft besessen hatte? Sie hatte es Daniel so schwer gemacht, all die Monate der Rücksichtnahme, der Heimlichkeit. All die Zeit, in der diese Frau versucht hatte, Daniel von seiner Bestimmung abzubringen, indem sie seine Gutmütigkeit als Waffe gegen ihn und Isabelle verwendete. Und er hatte es nicht bemerkt, nein, er glaubte sogar, dass seine Frau nichts von ihnen wusste. Doch Isabelle hatte sie durchschaut: die plötzliche Krankheit, der überraschende Tod des Onkels, die gespielte Hilflosigkeit, das waren direkte Angriffe auf ihre Liebe, die verzweifelten Versuche einer Unterlegenen, das Blatt doch noch zu wenden.

Und fast wäre dieser Plan aufgegangen. Als Daniel heute Abend zu ihr kam, als er da saß, mit fernem Blick, nachdem sie sich geliebt hatten, als er erneut um mehr Zeit bat, um mehr Geduld, da hatte Isabelle es gewusst. Sie musste handeln, um ihn nicht zu verlieren. Und sie handelte.

Ein dunkler Wolkenschleier legt sich über den Mond. Die Kerzen verlöschen im Windstoß. Nur eine bleibt; ein Totenlicht in der Dunkelheit, eine einsam ausharrende Seele. Kurze Augenblicke, vom Flackern der Flamme aus der Nacht gerissen: ein Sektglas, zerbrochen; ein Stein, blutbeschmiert; Augen, tot.

Isabelle erschauert. Wie ein finsterer Feind mit eisigen Fingern greift der Wald nach ihrem Herzen. Die Zeit ist nah. Er ist vorausgegangen, doch sie darf ihn nicht warten lassen. Die Ewigkeit ruft nach ihnen.
Sie kniet nieder. Ihr Blick liebkost den nackten Leib, der vor ihr im Moos liegt. Sanft streicht sie über Haar und Schulter. Der Geliebte, so nah, so unerreichbar. Seine Hand, so kalt.

Ja, nun gehört er ihr. Jetzt kann sich niemand mehr zwischen sie stellen. Noch vor dem Morgengrauen werden sie für immer vereint sein.

Ihre Hand greift nach dem Schal. Sanft gleitet die Seide durch ihre Finger. Der Blick aus ihren feuchten Augen steigt nach oben, verfängt sich in den Zweigen des Baumes, verharrt an dem knorrigen Ast, der anklagend in die Nacht ragt.

Isabelle tanzt. Sie tanzt für ihn unter den Zweigen der alten Eiche, der ewig schweigenden Zeugin.

Geheimarchiv der Sehnsucht

Zu dir, so schreit mein wundes Herz,
nach dir nur sehnt es sich.
Zu dir! Es bäumt sich auf vor Schmerz.

Es war ein eisiger Winterabend, an dem ich eine Seite an meinem Vater entdeckte, von der ich zuvor nichts geahnt hatte. Und das, obwohl er schon vor über drei Jahrzehnten verstorben ist. Als ich das kleine Büchlein meines Vaters mit der Aufschrift „Geheimarchiv“ das erste Mal in der Hand hielt, ahnte ich noch nicht, was es enthielt. Erst Monate später entdeckte ich sein Geheimnis.

Geheimarchiv der Sehnsucht - eBookAlles nahm seinen Anfang, als mir meine Mutter ein altes Notizbuch meines Vaters in die Hand drückte. Das Büchlein, das den Titel „Geheimarchiv“ trug, enthielt auf der ersten Seite je ein Gedicht von Schiller und Goethe. Dann folgte ein kurzer Bericht über eine Reise nach Paris, die vor etwa 55 Jahren stattgefunden haben muss. Die folgenden Seiten waren leer.

Erst viele Monate später fiel mir das Büchlein erneut in die Hände, als ich meine chronisch überfüllte Bibliothek um ein Regal erweiterte. Ich hatte es quer über einige alte Bücher gelegt. Gedankenverloren öffnete ich es in der Mitte und stieß auf ein kleines Gedicht. Neugierig geworden, blätterte ich ein wenig in dem Büchlein und entdeckte weitere Textstellen, immer wieder durch eine unregelmäßige Anzahl unbeschriebener Seiten getrennt. An diesem Abend, an dem der Taunus in frostiger Kälte erstarrt war, kuschelte ich mich warm ein, nahm mir das Büchlein zur Hand und ging es Seite um Seite durch. Erst nach zwei Dutzend unbeschriebenen Seiten und zwei enttäuschenden Textfragmenten stieß ich auf einen Block mit mehreren Gedichten. Das zweite davon, „Menschen?“, faszinierte mich durch seine Kürze, Geschwindigkeit und vor allem durch seine Aussage. Es folgten noch weitere Gedichte und Textfragmente, die sich mit Blöcken leerer Seiten abwechselten. An diesem Abend reifte der Entschluss in mir, die kleinen Poeme der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Am nächsten Tag setzte ich mich an meinen Schreibtisch und begann die Textstellen zu katalogisieren, um mir einen besseren Überblick zu verschaffen. Oft handelte es sich nur um einen Vers oder eine Zeile, die gegebenenfalls an anderen Stellen des Büchleins wieder aufgegriffen wurde.
Die Gedichte, die vollständig waren, habe ich in diese Sammlung aufgenommen. Zwei davon, Menschen? und Liebesnot habe ich schon auf diesem Blog veröffentlicht.

Der Sammelband mit Gedichten von Dr. Wolfgang Kron ist als eBook und als Taschenbuch erhältlich.

Er liebt, doch glücklich ist er nicht. 

Liebesnot

Sturmbewegt, mit hohen Wellen,
einer Springflut gleicht mein Herz.
Schneller Puls und schnelles Atmen; –
wie ertrag ich nur den Schmerz?

Gestern glaubt ich mich noch glücklich,
Denn du warst in meiner Näh’.
Heute hast du mich verlassen!
Wenn ich dich doch wiedersäh’!

Sag, wie soll das morgen werden,
ohne dich und deine Lieb!
Kann kein and’res Mädchen lieben,
da Erinnerung mir blieb.

Dr. Wolfgang Kron

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