Startseite » Beitrag verschlagwortet mit 'Krimi'

Schlagwort-Archive: Krimi

Heilige Scheiße

»Heilige Scheiße, was ist denn das?« Die Stimme ertönte aus einem Loch im Boden. »Ihr werdet nicht glauben, was ich gefunden habe.«

»Doch«, antwortete ein schlaksiger Junge, der sich auf einen Baumstamm lümmelte. »Ich kann‘s mir denken. Immerhin gräbst du in einer Latrine. Was hast du da erwartet?«

»Ach, halt die Klappe, Martin«, erklang die Stimme erneut. Eine brünette Lockenpracht erschien, gefolgt von dem ovalen Gesicht einer jungen Frau. Ihre blauen Augen funkelten vor Aufregung. »Professor Ortmann, das müssen Sie sich ansehen. Bitte!«

Ortmann, ein kleiner Mann Anfang vierzig, auf dessen Halbglatze sich die untergehende Sonne spiegelte, trat zu der Grube. »Was hast du gefunden, Hanna?«, fragte er mit freundlicher Stimme. Dann weiteten sich seine Augen.

»Bestimmt einen extragroßen Bandwurm«, warf Martin ein und näherte sich ebenfalls den Überresten der alten Latrine. »Die halten sich in den vertorften Exkrementen besonders gut. Das ist wie ein trockenes Moor, entsprungen aus den Därmen unzähliger Legionäre. Es ist … Wow!« Sein Redefluss erstarb. Er starrte mit offenem Mund in die Grube. »Irgendetwas«, stammelte er, »ist hier furchtbar schief gelaufen.«

Knapp zwei Jahrtausende früher hielt das Schicksal den Atem an.

Leseprobe aus „Blutmond

Die Leseprobe gibt es auch als Hörprobe:

Advertisements

Blutmond als Hörbuch

Meine Kurzgeschichte „Blutmond“ aus „Totentanz“ gibt es jetzt als Mini-Hörbuch für 99 Cent. Ich wünsche Euch viel Spaß 🙂

blutmond

Die junge Archäologiestudentin Hanna macht bei einer Ausgrabung am Odenwaldlimes eine schaurige Entdeckung. 2000 Jahre vorher flieht Manius aus Rom, um der Gerechtigkeit zu entgehen. Als plötzlich ein Fremder in dem kleinen Feldlager auftaucht und anfängt Fragen zu stellen, holt ihn seine dunkle Vergangenheit wieder ein. Er fasst einen verzweifelten Plan. Doch über allem schwebt ein düsteres Omen: ein Blutmond.

Gelesen von Matthias Ernst Holzmann.

In den nächsten Tagen gibt’s was auf die Ohren … :-)

… nur noch ein paar klitzekleine Tage …

bmp

Das Kleid

Behutsam streifte sich Libold das Kleid über. Dabei verzog er angewidert das Gesicht. Nicht dass an dem Kleid etwas auszusetzen gewesen wäre. Im Gegenteil, es war ein sehr schönes Kleid: weiß mit kleinen blauen Blumen darauf und Rüschen an den Ärmeln. Es hatte ihn und seine Kameraden eine Menge Geld gekostet. Der Anlass für seinen Gesichtsausdruck war, dass er ein Kleid anzog, das er lieber einem hübschen Mädchen ausgezogen hätte.

Neben der reinen Überwindung war das nächste Hindernis beim Ankleiden seine Statur. Das Kleid war offensichtlich für eine viel zierlichere Person gedacht. Gut, dann sollte es eben hinten offenbleiben. Es würde ja sowieso nur von vorne zu sehen sein. Ein Grinsen stahl sich in Libolds schmalwangiges Gesicht. Und je mehr er an die bald kommenden Ereignisse dachte, desto breiter wurde es. Bald war es so weit; das würde ein Spaß werden. Mit einem leichten Kribbeln durchströmte ihn die Vorfreude. Über diesen Streich würde der Heerhaufen noch monatelang reden und lachen. Hoffentlich nahm ihm Garvin das nicht allzu übel. Er mochte den Jungen. Das war auch der Grund, warum er sich dazu bereit erklärt hatte, in Frauenkleider zu schlüpfen. So konnte er Garvins Gesichtsausdruck im Augenblick der Erkenntnis aus erster Hand genießen.

Aber es gab noch einen Grund, warum er diese Rolle in dem Scherz übernahm: Mit seiner schlanken Figur und den langen blonden Haaren war er der Einzige im Heerhaufen, der im Dunklen auf den ersten Blick als Frau durchgehen konnte.

Rasch legte er noch den himmelblauen Umhang um und zog die Kapuze tief ins Gesicht. Wenn er sich im Schatten halten würde, hätte er die Chance, die Maskerade so lange aufrechtzuerhalten, bis er Garvin einen bärtigen Kuss gegeben hatte.

Er räusperte sich.

»Oh helft mir, ich bin ja so verzweifelt«, flötetet er mit seiner höchsten Stimme. »Ihr seid mein Held!«

Dann brach er in schallendes Lachen aus.

Leseprobe aus „Die dritte Prinzessin

Die Brüste der Prinzessin

Einen Moment lang stand Garvin wie gebannt da und starrte die Prinzessin an. Sie war nur eine Handbreit kleiner als er. Ihr Lächeln bescherte ihm weiche Knie und ihr Duft brachte ihn fast um den Verstand. Blonde Locken rahmten ihr ebenmäßiges Gesicht ein. Ihre mandelförmigen Augen schienen seine Seele aufzusaugen. Sie hatte eine schmale Nase und die hellste Haut, die Garvin je gesehen hatte.

Dann fiel ihm ein, dass man eine Prinzessin nicht einfach so anstarrte und er ließ seinen Blick sinken. Was seine Lage keineswegs verbesserte, denn nun ruhte sein Blick direkt auf dem Ausschnitt ihres Kleides, das alles andere als brav geschnitten war. Die Form ihrer apfelgroßen Brüste zeichnete sich so deutlich ab, dass er ein fast schmerzhaftes Ziehen in der Lendengegend verspürte. Hastig wich er zwei Schritte zurück, besann sich seiner Manieren und verbeugte sich tief.
»Garvin Ederholz, zu Euren Diensten, Majestät«, stieß er kurzatmig hervor. Er richtete sich wieder auf und blickte in ihr Gesicht. Ein amüsiertes Lächeln umspielte ihre roten Lippen. »Wir sollten hier verschwinden«, sagte er und wandte sich zum Gehen, ohne jedoch seinen Blick von ihr abzuwenden. »In diesem Gemäuer seid Ihr nicht sicher.«

»Ich will nicht fliehen«, erwiderte sie stolz. »Wir müssen uns der Gefahr stellen und meinen Widersachern zuvor …, oh, passt auf!«

Garvin war noch einen Schritt zurückgegangen und dabei mit dem Fuß an etwas hängen geblieben. Er schwankte. Seine Hände suchten vergeblich Halt. Dann fiel er mit einem Fluch zu Boden. Leicht benommen kam er wieder auf die Knie. Er versuchte zu erkennen, über was er gestolpert war. Er tastete nach dem Ding, was zwischen einem alten Schrank und ein paar halb zerfallenen Kisten hervorragte. Es war ein Bein. Garvin richtete sich auf und griff nach der Laterne, die dem Raum seine äußerst spärlich Beleuchtung schenkte.

»Lasst uns gehen«, wisperte die Prinzessin. »Bitte, ich will weg von hier.«

»Sofort«, erwiderte Garvin und leuchtete mit der Laterne zwischen den Schrank und die Kisten. »Sobald ich weiß, was hier los ist«. Er beugte sich vor, um besser sehen zu können.

Leseprobe aus „Die dritte Prinzessin

%d Bloggern gefällt das: